Biographie

Eine Klinik oder ein Sanatorium zu leiten war Dorotheas Berufung. Sie entstammte einer Familie, die in Bad Kissingen einst zwei Kurhäuser betrieb, erst die Villa Montana an der Menzelstraße, dann das Haus Hohenzollern an der Kurhausstraße. Als Dorothea Kühnlein 1910 geboren wurde blühte der Kurbetrieb in Bad Kissingen. Gäste aus aller Welt kamen in den Ort, um hier die heilenden Wasser zu trinken, um hier durch die Wandelhalle zu laufen, und um sich mit Gleichgesinnten aus aller Welt auszutauschen. Den Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten war mehr als ein Beruf. Gastgeber wie Dorotheas Eltern musste sich jederzeit um deren Anliegen kümmern, waren Berater, Psychologen und Freunde – und das 24 Stunden am Tag. Im Sommer zogen sie gar in die Kellerräume, damit den Gästen mehr Zimmer zur Verfügung stehen konnten. Private und berufliche Anliegen ließen sich kaum voneinader trennen. Zur Feier der Taufe von Dorothea im Garten des Hauses Montana war auch der achtjährige Vladimir Nabokov dabei, der später als Schriftsteller berühmt werden sollte (Lolita). Nabokov war Sohn russischer Kurgäste, die damals in einem benachbarten Sanatorium abgestiegen waren . 

Man kann also behaupten, dass Dorothea den Kurbetrieb seit frühester Kindheit verinnerlicht hatte. Natürlich war sie seit ihrer Jugend wie ihre Schwestern auch im Haus Hohenzollern tätig, um Gäste zu bedienen oder die Zimmer herzurichten. Als Dorothea im Alter von 18 Jahren eine Stelle als Kassiererin im Kurbad annahm, war sie bereits eine im Kurbetrieb umfassend ausgebildete und erfahrene Mitarbeiterin. Aber vorerst brauchte sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nicht weiter einsetzen. Sie lernte einen Mann kennen – Peter Deeg aus Bad Kissingen – und sie ordnete sich vorerst seinen Interessen und seinem Karrierewunsch unter.Nach Ende des Krieges aber wurde sie erfolgreiche Unternehmerin. 

HOCHZEIT UND GEBURT EINES SOHNES 

Obwohl die Eltern von Peter Deeg gegen die Verbindung waren, wollte Dorothea nach den vielen Jahren des Zusammenseins endlich heiraten. Am 30. Dezember 1935 hatten sie sich beim Standesamt in Bad Kissingen verabredet. Während Dorothea ihre Schwester Aenne als Trauzeugin mitbrachte, schnappte sich Peter vor dem Standesamt einen Mann von der Straße, der ihm noch aus Schulzeiten bekannt war. Die Hochzeit erfolgte in aller Stille. Dorotheas Vater wußte nichts von der Hochzeit und zeigte sich anschließend etwas traurig, dass er nicht informiert war, aber das Glück seiner Tochter war ihm doch wichtiger als seine Befindlichkeit. Für Dorothea blieb es allerdings ein Mangel, dass sie nicht kirchlich geheiratet hatte. Da sie wusste, dass ihr Mann kein Interesse an einer kirchlichen Trauung hatte, musste sie ihn mithilfe eines Tricks zum Altar führen. Sie überredete ihren Mann, der zu dieser Zeit noch bei der Stadt Nürnberg angestellt war, die St. Michaeliskirche in Nürnberg zu besichtigen – wegen der interessanten Epitaphe. Für die Betrachtung von Kunstwerken war ihr Mann immer zu haben … In der Kirche wurde sie – scheinbar überraschend – von einem Pfarrer angesprochen, der ein paar Fragen stellte und dann eine improvisierte Trauung vornahm. Die von Dorothea mit dem Pfarrre zusammen eingefädelte Überrumpelung ihres Mannes war gelungen, die kirchliche Trauung war am 25. Oktober 1936 vollzogen. 

Die nachfolgenden Jahren stellten dem junge Paar manche Prüfung. Aber Dorothea und Peter hielten fest zusammen und meisterten die Herausforderungen des  Schicksals. Am 25. August 1942 wurde Peter junior geboren.